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Saisonrückblick: Fliegenfischen in der Schweiz

(von Matthias Meyer, Dezember 2010)
Das Jahr neigt sich dem Ende zu, im Haslital ist es zwischenzeitlich kalt und ruhig geworden. Der Schnee verhüllt die Gebirgsregion in einen weißen Schleier. Zufrieden blicke ich auf eine ereignisreiche Fischereisaison im östlichen Teil des Berner Oberlands zurück.

Der Winter 2009/10 war mal wieder gefühlsmäßig viel zu lang. Nach der Schneeschmelze von Anfang bis Mitte Mai erwachten die Gebirgsbäche aus ihrem „Dornröschenschlaf“ und das Fliegenfischen an den alpinen Fließgewässern konnte beginnen. Woraufhin wir während des Frühlings in den nördlichen Alpen eine spannende und interessante Sichtfischerei mit der Trockenfliege auf Bachforellen und Bachsaiblinge erlebten. Durch die Gewässervielfalt wurde uns zudem ein abwechslungsreiches Fliegenfischen geboten, nicht grundlos gilt die Region des Grimsel- und Sustengebiets als das Wasserschloss Europas.

Bereits Ende April erreichten uns die ersten Meldungen von Maifliegen am Vierwaldstättersee, einige Wochen später begannen dann auch die Seeforellen des Thunersees zu steigen. Mit großer Vorfreude wurde von uns deshalb der Monat Juni erwartet und plötzlich waren sie da, erst vereinzelt, dann in Massen – das Schwärmen der Maifliege hatte jetzt auch am Brienzersee begonnen. Vor allem in den frühen Morgen- und Abendstunden konnten wir an der Wasseroberfläche Seeforellenaktivitäten beobachten. Meist vom Ufer, aber auch vom Boot aus, versuchten wir die Seekönigin zu überlisten. Es gestaltete sich jedoch ausgesprochen schwierig, in den Fressphasen der Seeforellen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Für mich war die Maifliegenzeit an den großen Voralpenseen ohne Frage das fischereiliche Highlight in diesem Jahr.

Mit dem Juli wurde es warm im Haslital und wir verlagerten unsere fischereilichen Aktivitäten an die höher gelegenen Gebirgsbäche. Insbesondere die schwer zugänglichen Schluchtpassagen hatten es uns angetan. Unser Interesse galt hierbei meist Gewässerabschnitten, die durch ihre Lage keinem oder nur einem sehr geringen Befischungsdruck ausgesetzt sind. Neben einer spärlichen, aber durchdachten Fliegenfischer-Ausrüstung gehörten Neoprenanzug und teilweise auch Klettergurt und Seil mit zu den Ausrüstungsgegenständen. Ein Gefühl von Abenteuer aber auch von Ungewissheit begleitete uns, wir wussten oftmals nicht was uns hinter der nächsten Flussbiegung erwarten würde – ein hoher Wasserfall, der unser Weiterkommen verhindern würde oder doch ein tiefer Pool mit vielleicht der Urgroßmutter aller Gebirgsforellen.

Ende September ging die Fischereisaison an den Bächen des Oberhasli zu Ende. Fast schon sehnsüchtig erwartete ich die Ankunft der ersten Seeforellenaufsteiger. Täglich beobachtete ich erwartungsvoll die Hasliaare bei Innertkirchen. In der ersten Oktoberwoche war es dann soweit, im Kehrwasser eines Gesteinsblocks hatte sich ein großer Milchner eingestellt. Ein wahrhaft majestätischer Anblick. In den nächsten Tagen und Wochen folgten weitere adulte Seeforellen, um sich in der Hasliaare, dem Urbach- und Gadmerwasser zu reproduzieren. Durch den Fischereiverein Oberhasli startete ab Mitte Oktober der traditionelle Seeforellenlaichfischfang, um autochthone Elterntiere für die Nachzucht zu gewinnen.

Nun hat der Winter wieder Einzug im Haslital gehalten und der Kreis hat sich geschlossen. Mit Ausnahme von Hecht und Barsch im Brienzersee ruht derzeit die Fischerei im Haslital bis zur Seeforelleneröffnung am 1. Februar. Aber die Vorfreude auf die kommende Saison ist schon wieder groß.
Impressionen
SchluchtimpressionFarbenfroher Bachsaibling von Andreas FunkFliegenfischen am GentalbachMaifliege am Brienzersee
Schöne Seeforelle aus dem BrienzerseeMatthias Meyer beim Queren eines tiefen PoolsUnwegsames Terrain in den SchluchtpassagenSchöne Bachforelle bei der Landung
Gruppenfoto in der HasliaareAuf dem Weg zu den FischgründenBeeindruckender Wasserfall der HasliaareDas Urbachwasser – Reproduktionsgewässer der Seeforelle
Prächtige Seeforelle aus der HasliaareAuf der Suche nach der Seeforelle – der traditionelle LaichfischfangGroße Seeforelle in der HasliaareSeeforellen in der Brutanstalt in Meiringen