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UL-Gerät nichts für große Fische? – Irrglaube und Wahrheit.

(20. April 2010)
Bei der Trockenfliegenfischerei in unseren heimischen Bächen, kleineren Flüssen und bei der Gebirgsbachfischerei verwenden wir gerne Fliegenruten der leichteren Schnurklassen. Diese Ruten bieten enorme Vorteile bei der Präsentation im Nahbereich und auf mittlere Distanzen. Die sehr dünne Flugschnur verursacht kaum Scheuchwirkung und lässt sich präzise fast wie eine Schneeflocke auf der Wasseroberfläche ablegen.

Die meisten Ruten der leichteren Schnurklassen arbeiten und laden im Nahbereich sehr gut, was bei der Bachfischerei  zu werferischen Vorteilen führt. Als Nachteil sollte erwähnt werden, dass Trockenfliegen mit einem großen Volumen nicht mehr ordnungsgemäß mit Fliegenschnüren der Klasse 000 bis 1 transportiert werden können. Es entsteht ungefähr der gleiche Effekt, als würde man mit einer 5er Rute große Hechtbunnies werfen. Aus diesem Grund ist man bei der leichten Trockenfischerei am universellsten mit Ruten der Schnurklasse 2 bis 3 bedient, da diese Fliegenruten auch noch gut sehr große Steinfliegen- und Hopperimitationen befördern. Natürlich kann ein versierter Werfer durch eine sehr hohe Leinengeschwindigkeit sogar mit einer 0er Rute schwere Streamer auf Weite bringen. Aber darum geht es in diesem Artikel nicht und für eine solche Fischerei sind diese Ruten auch nicht vorgesehen.

Häufig wird bei der Forellen- und Äschenfischerei mit der Trockenfliege Vorfächer von 0,14  bis 0,16 mm benötigt. Als Ruten finden hier jedoch oft Kohlefaserruten der Klasse 5 Verwendung. Unserer Auffassung nach ist die Kombination dieses Gerätes nicht dafür vorgesehen mit  solchen dünnen Vorfachspitzen abrupte Fluchten des Fisches über die Aktion der Rute abzufedern. Oft wird hier der Fisch nur unter Belastung der Rutenspitze gedrillt, da man sonst Gefahr läuft, bei Schlägen des Fisches Vorfachbruch zu riskieren. Eine Rute der leichteren Schnurklassen ist hingegen optimal für die o.g. Vorfachspitzen ausgelegt. Während des Drills eines schönen Fisches können selbst heftige Fluchten über die ganze Aktion der Rute abgefedert und Schläge des Fisches absorbiert werden. Durch die Ausnutzung des Federweges der Rute ermöglicht diese dem Fisch viel aggressiver zu forcieren und die Drillzeit eventuell sogar zu verkürzen. Würde man generell stärkere Vorfächer verwenden, würde auch die Drilldauer ganz klar zu Gunsten der stärkeren Rute ausfallen.

Bei der Mittelgebirgsbachfischerei, wie wir sie z.B. vom Taunus her kennen, sind Großforellen eher die Ausnahme, aber dennoch kommt es ein bis zweimal im Jahr vor, dass auch ein große Bachforelle die Trockenfliege nimmt. In der Regel sieht es so aus, dass die Bachforelle keine weiten Fluchten macht, sondern bestrebt ist, schnellst möglich ihren Unterstand zu erreichen. Das heißt, es muss versucht werden, bevor der Fisch in seine Unterstand gelangt, diesen zu halten oder  zum Umlenken zu bewegen.

Ob man nun im Gumpen eines Mittelgebirgsbachs den Fisch am gleich dünnen Vorfach mit einer 5er oder 2er Rute keinen Schnurabzug ermöglicht, kommt auf dasselbe raus. Der  Unterschied ist, dass die Biegekurve des leichten Rütchens bei den meisten Fischern Unbehagen hervorrufen wird. Die Belastung, wann das Vorfach brechen würde, bleibt die Gleiche.

Die Zielfischgröße ist sicher ein entscheidender Faktor, ob man solch eine Rute verwendet oder nicht. Viel ausschlaggebender ist jedoch die Drilltechnik des Fliegenfischers, hier ist "down&dirty" ein ganz entscheidendes Stichwort. Viele Fliegenfischer verhätscheln ihre Ruten, man ist sich in der Regel nicht bewusst, was das eigene Gerät zu leisten vermag. An erster Stelle sollte jedoch ohne Zweifel immer die Kreatur stehen und nicht das Gerät. Beim Fliegenfischen mit der Trockenfliege an Mittelgebirgs, kleinen Gebirgsbächen und Wiesenbächen sind Fliegenruten der Schnurklasse 2 bis 3 bei richtiger Anwendung unsere erste Wahl.
Impressionen
Was vermag die eigene Rute auszuhalten?Schöne Mittelgebirgs-Forelle überlistet mit einer Fliegenrute der Klasse 0Ideale Gewässersituation für Fliegenruten der leichten SchnurklassenUniverselles Gerät – Fliegenruten der Schnurklasse 2-3 können es auch mit größeren Forellen aufnehmen