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Crocodiles - Face to face with the ultimate freshwater predator
oder... Fliegenfischen auf Hecht an der Lahn

(von Andreas Funk, Juli 2010)
Im folgenden Bericht möchte ich genauer auf Material und Technik zum Hechtfischen mit der Fliege eingehen. Ich möchte außerdem die verschiedenen Arten der Köderführung vorstellen und beschreiben, wie sich die Big Boys am besten überlisten lassen.

Das Tackle
Als Rutenempfehlung für die Hechtfischerei werden meisten Ruten der AFTMA Klasse 8 oder 9 genannt. Das ist vollkommen okay, wenn man diese Klassen braucht, um seine Streamer auf die gewünschte Weite zu bekommen; zum Drillen des Fisches benötigt man solche Klassen in der Regel aber nicht. Dies liegt zum Einen daran, dass Hechte nur kurze kraftvolle Fluchten hinlegen, zum Anderen daran, dass die Fische bei harten Drills vergleichsweise schnell ermüden. Viel wichtiger ist, dass man eine Rute mit einer harten und kraftvollen Aktion verwendet. Wer sein Gerät kennt und den Fisch während des Drills richtig behandelt, der wird auch mit einer der oben charakterisierten Rute der Klasse 6 oder 7 seine Fische waidgerecht haken und landen können. Progressive Ruten wie man sie zum Beispiel beim Fischen auf Forelle verwendet, sind hier eher suboptimal. Um den Haken im Hechtmaul zu setzen ist ein kräftiger Anhieb und eine direkte Kraftübertragung notwendig, dies gelingt mit einer kraftvollen Rute weitaus besser.

Auch wenn Hechte nicht gerade als die stärksten Kämpfer bekannt sind, ist die Rolle beim Hechtfischen nicht unbedingt als unwichtig anzusehen. Wer sich mit den Großen, vor allem in Flüssen anlegen will, der sollte eine Rolle mit ausreichendem Bremsdruck verwenden. Hechte an harten Strömungskanten neigen dazu in die Strömung zu fliehen. Wer hier nicht in der Lage ist dem Fisch Paroli zu bieten, der wird eventuell als Verlierer aus dem Kampf hervorgehen, denn im Gegensatz zu Hechten in Seen, sind Flusshechte zum Einen deutlich agiler und kräftiger, zum Anderen spielt der Strömungsdruck eine enorme Rolle, vor allem wenn der Fisch quer in die Strömung flieht.

Als Flugschnur eignen sich u.a. spezielle Hechtschnüre, die durch ihre schwere Keule hervorragend für das Transportieren großer Streamer geeignet sind. Außerdem sind einige Intermediate Schnüre zu empfehlen, da diese für die Küstenfischerei konzipiert wurden und somit neben der schweren Keule oftmals eine sehr geringe Dehnung aufweisen, was einen weiteren Vorteil beim Setzen des Hakens bringt. Zudem ist es in manchen Situationen von Vorteil, den Streamer an Abbruchkanten einsinken zu lassen, dies wird durch eine Intermediate Schnur begünstigt.

Ruten, Rollen und Schnüre mit den oben genannten, für die Hechtfischerei geeigneten Eigenschaften, finden sich mittlerweile im Repertoire nahezu aller seriösen Anbieter.

Das Vorfach
Als Vorfachmontage empfehle ich ca. 2 Meter 50lbs Hardmono, an dessen Spitze mindestens 40cm 30lbs TYGer Leader geknotet werden sollten, das für mich beste knotbare Stahlvorfach auf dem Markt. Der Vorteil dieses Materials gegenüber normalen Stahl- oder Titanvorfächern ist, dass es aufgrund der Nylonbeschichtung durch das Werfen nicht beschädigt wird. Es ist außerdem geschmeidig wie Mono, streckt sich sehr gut und weißt die Bissfestigkeit von Stahl auf. Von durchgehendem Hardmono rate ich dringend ab, da Großhechte solche Montagen teilweise nach wenigen Sekunden regelrecht zerfetzen. Das passiert vor allem deshalb, weil die meisten Synthetikstreamer trotz großem Volumen im Wasser kaum Gewicht haben. Beim Öffnen des Hechtmauls werden die Streamer durch das entstehende Vakuum regelrecht eingesaugt. Es besteht somit die Gefahr, dass besonders Großhechte zum Teil bis zum 30cm Vorfach inhalieren. Wer hier auf Hardmono setzt, der tut sich selbst und erst recht dem Fisch keinen Gefallen.

Die Wahl des Streamers
Wenn es an die Wahl des Streamers geht, dann hilft es, zuerst einen Blick auf das Gewässer, die zu befischenden Stellen und die darin vorkommenden Beutefische zu werfen. Außerdem sollte man generelle Gegebenheiten, wie z.B. die Sichtigkeit des Wassers, Gewässerstruktur und die Temperatur beachten. Bei den Streamern kann man ohne Probleme zu Mustern bis 20 cm Größe greifen. Nur in Ausnahmesituationen wie z.B. bei erhöhtem Brutfischaufkommen können auch kleinere Muster sehr erfolgreich sein.

Im klaren Wasser empfehlen sich dezente Muster, oftmals ist hier ein Barsch- oder Hechtdesign in dunkelgrün oder ein Bachforellendekor in braun zu empfehlen. Besonders im Winter und bei niedrigen Temperaturen kommen Attacken oftmals rein durch optische Reizung zu Stande. Sehr langsam geführte Streamer im klaren Wasser, die z.B. einen Nahrungskonkurrenten imitieren, erzielen hier nicht selten den gewünschten Biss. Dabei sollte der Streamer stets sichtbar sein, um Bisse besser zu erkennen. Attacken aus Nahrungsgründen erfolgen unter den oben genannten Bedingungen umso seltener und nur wenn es sich für den Fisch wirklich lohnt, sprich die Beute sehr groß ist, oder die Energie die zum Jagen verbraucht wird sehr gering ist, deshalb die langsame Führung.

Bei trübem Wasser kann man ruhig zu Streamern in Schockfarben wie rot, pink , neongrün oder silber greifen, damit der Hecht den Streamer überhaupt noch visuell erfassen kann. Hechte verlassen sich unter solchen Bedingungen zwar fast ausschließlich auf ihr Seitenlinienorgan, dennoch kann gerade das Verwenden von Schockfarben als Versuch den optischen Sinn anzusprechen nicht schaden. Ein dezenter Streamer in braun oder schwarz ist unter solchen Bedingungen für den Hecht ausschließlich per Druckrezeptoren zu orten. Aufgrund dessen sollte man den Führungsstil des Streamers anpassen. Da man den optischen Reiz nur noch sehr eingeschränkt ansprechen kann, muss man den Streamer unter solch schwierigen Bedingungen so führen, dass man möglichst viel Druck erzeugt. Dazu bringt man die Flugschnur auf Spannung und führt den Streamer mittels langen und kraftvollen Strips sehr ruckartig. Da es im trüben Wasser fast unmöglich ist den Streamer immer im Blick zu haben, sollte man seine Strips in einer hohen Frequenz ausführen. Somit hat man fast immer direkten Kontakt zum Streamer und verpasst keinen der Bisse.

Unter Normalbedingungen eignen sich weiß-blaue und weiß-grüne Streamer sehr gut. Diese Weißfisch- und Brutimitate wirken sehr realistisch und veranlassen Hechte, rein aus Futtertrieb, den Streamer zu attackieren. Auch hier kann man die gewünschten Stellen relativ langsam abfischen und wie auch im klaren Wasser sollte man den Streamer nicht außer Acht lassen. Wenn vielversprechende Stellen keinen Erfolg bringen, da sie z.B. stark überfischt sind, lohnt es sich den Streamer druckvoll wie bei trübem Wasser zu führen, jedoch kann man den Streamer bei diesen Bedingungen nach jedem Strip erneut kurz einsinken lassen, ohne ihn aus den Augen zu verlieren. Damit gibt man dem Fisch mehr Zeit zum Attackieren zu gebenund erhöht somit seine Erfolgschancen.

Die richtige Stelle
Neben der Wahl des richtigen Streamers und der geeigneten Führungstechnik spielt natürlich auch die zu befischende Stelle eine enorme Rolle. Sucht euch in erster Linie Stellen aus, wo wenige Leute auf Hecht fischen, oder wo die Köderführung von Spinnern, Wobblern usw. eingeschränkt ist. Dazu eignen sich z.B. flache und stark verwachsene Krautbänke oder überhängende Baumreihen. Gut eigenen sich außerdem Wehre und Turbinenausläufe. Auch wenn diese Stellen normalerweise kein klassisches Hechtrevier sind, stellen sich in Flüssen hier oftmals Großhechte ein. Es lohnt sich von daher, die harte Strömung in der man sonst z.B. Rapfen vermutet, mit einem großen Hechtstreamer zu befischen. Schon kleinste strömungslose Bereiche in einem Wehr beherbergen oft einen oder sogar mehrere Hechte, die auf Beute, die über das Wehr gespült wird, lauern. Dies bedeutet für den Fisch einen hohen Nahrungsertrag bei sehr geringem Energieaufwand, dass ist der Hauptgrund für das schnelle Wachstum und die hohe Fischdichte an solch markanten Stellen.

Das Gewässer
Die von mir beschriebene Hechtfischerei ist besonders an mittelgroßen Flüssen mit Struktur interessant. Unterschiedliche Bedingungen erfordern neben werferischem Können auch die Fähigkeit, vielversprechende Stellen zu finden. Das von mir favorisierte Gewässer ist die Lahn, auf der Strecke des FSV Oberlahn. Durch nachhaltiges Besatzmanagement befindet sich auf der Strecke ein im Vergleich zur restlichen Lahn guter Hechtbestand. Die Hechtfischerei auf der Strecke des FSV Oberlahn ist jedoch nur in Verbindung mit einer speziellen Raubfischkarte und in Begleitung eines Vereinsmitglieds möglich. Weitergehende Informationen finden sie unter: http://www.fsv-oberlahn.de/wasser/html/fibed_raubfisch.html

Bei Fragen wenden sie sich bitte an: info@casting-clinic.de

Einen ausführlichen Erlebnisbericht finden sie unter: http://www.fliegenfischer-forum.de/hechtde1.html
Impressionen
Typischer Hotspot für Flusshechte.Das Ende der Nahrungskette!Schöner Lahnhecht.Nur so geht es hier weiter!
Im Unterwasser dieses Wehres könnte ein Großer lauern.Eine weitere Big Mama.Ein bewährtes Topmuster.40cm -  Ein Garant für Monster